Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Der erste Tag dient erstmal der Hausarbeit. Seit Andros schleppen wir unsere tropenfeuchten verschwitzten Sachen mit, endlich Zugang zu einer Waschmaschine, das wird ein Fest!

Tide habe ich schon besorgt und genügend Quarter habe ich auch. In den Pool würde ich jetzt gern, da aber Samstag ist, sind wir nicht allein im Motel, am Wochenende sind so gut wie immer mehrere Gäste auf der Durchreise da und angesichts der Hitze sind die natürlich alle im Wasser. Also vertrödele ich die Zeit mit Lesen und Breezer Trinken, während die Waschmaschine ihre Arbeit tut.

Auch der Grillpavillon ist bis spät in die Nacht besetzt, und dabei grillen die Leute dort nicht einmal, sondern hängen nur herum und kiffen. Aber morgen sind sie bestimmt alle weg!

Und genau so kommt es auch, am Sonntag sind wir schon wieder allein auf der gesamten Anlage. Einen zweiten Tag in Serie wollen wir hier aber nicht mehr vertrödeln. Wir waren lange nicht hier und da ist so einiges, das wir machen wollen. Zuallererst: Zum Suwannee, dem magischsten aller Flüsse Floridas.

https://www.youtube.com/watch?v=I0_h3Fy ... rt_radio=1

White Springs, eine Kleinstadt nördlich von Lake City, haben wir vor vielen Jahren beim Herumcruisen über die Landstraße des Columbia County per Zufall entdeckt. Daß diese verschlafene Stadt mit ihren schönen alten Häusern einmal die Hochburg des Tourismus in Florida war, lange vor Micky & Co., wußten wir damals noch nicht.

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Seitdem zieht es uns immer wieder hierher, und jedesmal, wenn man den Suwanee überquert, ist es, als würde man durch ein Portal in eine andere Zeit eintreten.

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Kleine Veränderungen gibt es. White Springs liegt auf dem Florida Quilt Trail

https://www.historicwhitesprings.com/quilting

und viele der Gebäude hier sind mit „Barn Quilts“, auf die Wände gemalten klassischen Quilt-Mustern, geschmückt.

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Adam's Country Store hat statt dessen jetzt Murals, die die Natur Nordfloridas darstellen.

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Das Outdoor Café ist leider immer noch nicht fertig renoviert

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Und in der River Street steht eine beim letzten Mal noch bewohnte Holzvilla zum Verkauf. Es ist eines der prächtigsten Gebäude in der Straße.

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Wenn man sich das leisten könnte…

Auch das Telford Hotel, einstmals Dreh- und Angelpunkt des Nachtlebens in White Springs, hat immer noch keinen Abnehmer gefunden

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Hier zu leben wäre für mich durchaus vorstellbar. Neben den einsamen Inseln, die wir auf unseren Reisen besucht haben, ist der Ort, an den ich zuhause am häufigsten zurückdenke, tatsächlich der Swanee.

https://www.youtube.com/watch?v=LsGygMw ... rt_radio=1

Direkt am Fluß gelegen, die Badeanstalt an den White Sulphur Springs, deretwegen die Leute einstmals in Scharen hierherkamen.

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Heute nur noch ein Relikt, das halbwegs instand gehalten wird. Aber gewisse Anzeichen des Verfalls sind schon zu sehen.

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Man kommt derzeit auch nicht mehr hinein und kann es nur von außen betrachten. Also steigen wir mal runter zum Fluß

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Unten am Flußufer wird uns dann schlagartig vor Augen geführt, was wir beim Anflug von Andros über die Everglades schon ahnen konnten: Die Dürre, die ganz Florida seit letztem Herbst im Griff hat.

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Der Swanee hat mehrere Meter Wasser verloren und ist hier an dieser Stelle fast nur noch ein Schatten seiner selbst in einem engen Flußbett, ganz anders, als wir ihn zuletzt gesehen haben.

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Abends im Motel lesen wir es dann in der Zeitung, wie wenig es seit letztem September geregnet habe. Noch wird das Wasser nicht rationiert, aber es gilt bereits die höchste Waldbrandwarnstufe und ein Verbot offenen Feuers ist in Kraft. Die Grills in den Parks dürfen nicht genutzt werden und auch privat sind lediglich geschlossene Grills erlaubt.

Das erklärt, weshalb vorgestern so viele Leute Kugelgrills aus dem Walmart geschleppt haben.

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Den Grill am Parkplatz des Motels dürfen wir aber weiter nutzen, so daß sich am Abend noch eine Tour zu Aldi anschließt. Auch in diesem Jahr ist das die beste Adresse für Fleisch, man muß es leider so sagen, für uns ist das Preis-Leistungs-Verhältnis auch in diesem Jahr nirgends so gut gewesen.

Wir hoffen, so oft wie möglich grillen zu können, bevor es vielleicht ganz verboten wird, also legen wir direkt los. Während die Steaks brutzeln, haben wir immer eine alte Eistee-Gallone mit Wasser offen danebenstehen. Auch wenn der Grill am asphaltierten Parkplatz steht, sicher ist sicher.
Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Wir sind natürlich jetzt sehr gespannt, wie die anderen, normalerweise wasserreichen Ecken Nordfloridas aussehen, in denen wir uns gern aufhalten. Aber bevor wir eine längere Tour machen können, haben wir morgen erstmal etwas auf dem Zettel, das wir nicht aufschieben können, denn auch das ist wieder so eine Sache, von der man nicht weiß, ob sie im nächsten Jahr vielleicht wieder nicht möglich sein wird.

Es gibt in Lake City seit ein paar Jahren ein kleines Heimatmuseum, das nur durch Freiwilligenarbeit am Leben erhalten wird. Wie überall sonst auch wird es immer schwieriger, Volontäre zu finden, die ihre Freizeit opfern wollen, um etwas Ehrenamtliches zu tun. So war das Museum mangels Mitarbeitern bei unserem letzten Besuch auch geschlossen, aber aktuell ist es an wenigen Tagen in der Woche geöffnet und einer davon ist morgen.

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Das Holzhaus aus dem 19. Jahrhundert, ein klassisches Foursquare mit einem Küchenanbau hinten dran, kennen wir von außen schon, standen wir doch letztes Mal hier vor verschlossener Tür.

Diesmal läßt uns ein Herr herein, der aussieht, als hätte er selbst noch im Bürgerkrieg mitgekämpft, und der, also der Bürgerkrieg, ist dann hier auch das wesentliche Thema.

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Natürlich ist das nicht das Haus eines typischen armen Crackers, sondern ein relativ feudales Stadthaus, aber die zahlreichen Bilder und Einrichtungsgegenstände geben einen Eindruck, wie man sich das Leben hier vorzustellen hatte.

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Historisches Lake City:

Die Marion Street, einstige Flaniermeile und Einkaufsstraße. Man beachte mal links, wie weit die USA uns seinerzeit voraus waren. Riesige Kühlschränke, zu einer Zeit, zu der die Leute in Deutschland ihre Lebensmitteln noch in Speisekammern aufbewahrten.

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Das Blanche Hotel bei seiner Eröffnung. Hier stieg sogar Al Capone regelmäßig ab. Und im zweiten Stock spukt es. 👻

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So schaut das Blanche übrigens heute aus. Nachdem es jahrelang leer stand, ist es nun eine Hochzeitsvenue. Was das Gespenst aus dem zweiten Stock dazu meint, weiß man nicht so genau. 👻

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Im Untergeschoß des Museums viele Artefakte aus dem Bürgerkrieg, nicht wenige davon hat man aus dem Lake De Soto gezogen, so wie diese Musketen und auch die Baumstämme, aus denen die Vitrinen gefertigt wurden, in denen sie ausgestellt sind.

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Meinen inneren Monk hat ja sehr gestört, daß die eine Muskete aus der Halterung gefallen ist. Ich habe mich früher schon mal um Haaresbreite in einem Museum in einem anderen Teil der Welt in Schwierigkeiten gebracht, weil ich ein schief stehendes Ausstellungstück geradegerückt habe. Also lasse ich schön die Finger von der Vitrine.

Der Lake De Soto vor 100 Jahren, ein Ort für romantische Bootstouren. Man kann sich heute übrigens auch nicht mehr vorstellen, daß der See einmal crystal clear gewesen sein soll.

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Aber neben all den patriotischen Räumen

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gibt es im Obergeschoß zu meiner Überraschung auch Raum für diejenigen, die hier im Land damals einen schweren Stand hatten: Schwarze und Indigene.

Ich glaube, es gibt keinen Florida-Reisebericht, in dem ich nicht einmal Aunt Aggie erwähnen mußte, deren Knochengarten eine morbide Faszination auf mich ausübt. Die aus Tierknochen zusammengebastelten Skulpturen waren Anfang des 20. Jahrhunderts die Sensation in der Gegend, hierhin ging man, egal welcher Hautfarbe, um sich unterhalten oder von Aunt Aggie aus der Hand lesen zu lassen.

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Die noch in der Sklaverei geborene Agnes „Aggie“ Jones war eine angesehene Geschäftsfrau in der Gegend und brachte es mit dem Boneyard zu etwas Wohlstand. Und auch hier im Museum wird sie mit einem großen Gemälde, das sie vor ihrem Knochengarten zeigt, gewürdigt.

Noch mehr Platz wird den Seminolen eingeräumt. Ein ganzes Seminolendorf in Puppenstubengröße ist aufgebaut, Kunstgegenstände, Spielzeug.

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Das Leben der Seminolen vor Ankunft der Europäer wird detailliert dargestellt. Und der Teil nach der Ankunft auch.

Klassenzimmer:

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Und natürlich immer wieder er: Chief Alligator.

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Oder politisch korrekt: Halpatter Tustenuggee, der Namensgeber der Stadt Lake City, die früher Alligator City hieß.

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Halpatter oder manchmal auch in der Schreibweise Allapattah ist das Seminolenwort für Alligator. Und so war Halpatter Tustenuggee, der Alligator Warrior, dann auch nicht nur irgendein Provinzhäuptling, sondern ein historisch bedeutender Krieger, der insbesondere während des Zweiten Seminolenkrieges an der Seite von Osceola und Micanopy die weißen Eroberer ziemlich lange Zeit daran hindern konnte, sein Volk in die Reservate im Westen abzudrängen.

Das Museum hat mich überrascht. Es ist sehr liebevoll gemacht, umfangreich, und überhaupt nicht so auf konservative Themen beschränkt, wie ich es vermutet hatte. Uns hat es so gut gefallen, daß wir gern wieder herkommen würden. Zu bestimmten Feiertagen gibt es kleine Events, wie eine Halloweenparty, und das Museum beteiligt sich zum Jahrestag der Schlacht von Olustee an den Feierlichkeiten. Aber das liegt außerhalb unserer Reisezeit.

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Lake City ist eine Stadt mit vielen Problemen und gerade deshalb ist es schön zu sehen, daß so ein Ort sich halten kann und von der Bevölkerung auch angenommen wird.

Für morgen haben wir wieder eine längere Tour vor. Wir wollen am Nachmittag zum besten Fotolicht in die Payne’s Prairie fahren. Wir sind gespannt, was die Dürre dort angerichtet hat. Wir werden somit morgen nicht grillen können und fahren zum Walmart, Proviant besorgen. Inspiriert vom Museum und den Seminolenkriegen kommt uns beim Einkaufen die Idee, morgen nicht die Autobahn nach Gainesville zu nehmen, sondern lieber gemütlich über die Landstraße bis nach Micanopy zu fahren.

Man könnte meinen, daß Osceola, als berühmtester der Seminolenhäuptlinge, sich jetzt übergangen fühlt, denn als wir beladen mit Sandwiches, Süßigkeiten und Getränken wieder herauskommen, bringt er sich in Erinnerung. Man merkt man sofort, daß etwas in der Luft liegt. Es riecht nach Rauch und die Sonne liegt wie hinter einem Schleier verborgen.

Und dann kommen sie auch schon, eine ganze Karawane Feuerlöschzüge rast mit ohrenbetäubendem Lärm die US90 entlang nach Osten in Richtung Wald. Der Osceola Forest brennt.

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Näher am Wald kommt der Verkehr auf der US90 aufgrund eingeschränkter Sicht zeitweise zum Erliegen und die Bevölkerung wird aufgefordert, nicht notwendige Fahrten zu unterlassen. Wir fahren also auf direktem Wege ins Motel zurück.

Der Rauch kommt gleichzeitig mit uns im Motel an und wabert über den Parkplatz. Wir schließen Türen und Fenster und sitzen bei ausgeschalteter Klimaanlage im Zimmer. Und freuen uns über die Sandwiches, die eigentlich für morgen gedacht waren, denn weder können wir in den Grillpavillon noch in den Pool. Aber das sind Luxusprobleme. Der Osceola Forest ist riesig, ein zusammenhängendes Waldgebiet, das sich bis über die Grenze nach Georgia zieht. In der Nähe des Feuers liegt auch noch ausgerechnet der Schießstand von Lake City. Wenn das außer Kontrolle gerät, werden wir womöglich evakuiert.

Gegen Abend klart es langsam auf und die Nachrichtensender geben Entwarnung, das Feuer sei zunächst unter Kontrolle. Gottseidank, frische Luft!
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Pico
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Pico »

Oha, ihr nehmt ja immer so ziemlich alles mit.
Wobei wir den rauchigen Himmel ja letztes Jahr auch in Kanada erlebt haben. Das ist wohl mittlerweile die Regel, nicht nur in Nordamerika... :-(

Aber warum die Panik, ist ja alles nur etwas Wetter... :roll:
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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Pico hat geschrieben: 10 Aug 2026 13:22 Oha, ihr nehmt ja immer so ziemlich alles mit.
Wobei wir den rauchigen Himmel ja letztes Jahr auch in Kanada erlebt haben. Das ist wohl mittlerweile die Regel, nicht nur in Nordamerika... :-(

Aber warum die Panik, ist ja alles nur etwas Wetter... :roll:

Ja, letztes Jahr Blitzeinschlag beim Nachbarn, dieses Jahr ewig die Rauchsäulen am Horizont. Das war leider nicht das letzte Feuer, das wir gesehen haben.
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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Am nächsten Tag sieht es dann auch wettertechnisch sehr gut aus. Wir haben keine Lust, bis nachmittags im Motel zu bleiben, und beschließen, anstelle der Autobahn lieber die längere Strecke über die US41 zu nehmen. Vorher ein Abstecher zu Walmart, denn unseren Proviant haben wir ja zwangsläufig gestern schon aufessen müssen. :wink:

Als wir losfahren, muß ich daran denken, daß wir uns jetzt fast am nördlichen Ende der 41 befinden, der Straße, über die ich vor drei Wochen in Little Havana gelaufen bin. Die selbe Straße, aber die beiden Enden könnten nicht unterschiedlicher sein.

Wir trödeln gemütlich gen Süden Richtung Gainesville. 50 Meilen einsame Landstraßen, mit Spanish Moss behangene Eichen, alte Farmen und viele, viele Rinder.

Die US41 führt ein Stück mitten durch das Gebiet der Paynes Prairie hindurch. Normalerweise steht hier das Wasser bis zum Fahrbahnrand und die Schilfinseln leuchten blau vom Hechtkraut. Jetzt sieht alles aus wie die Everglades von oben, braun und vertrocknet. Man soll von der Straße aus derzeit die Herden der verwilderten Pferde und, wenn man besonderes Glück hat, auch Bisons sehen können, aber heute ist weit und breit nichts.

Kurz bevor man den Haupteingang des Parks erreicht, passiert man Micanopy. Daß die Interstate nicht weit ist, merkt man nicht. Es ist der gleiche Effekt wie in White Springs, nur hier ist es nicht die Brücke über den Suwannee, sondern einfach das Passieren des Ortsschilds, das wie ein Zeitreiseportal wirkt.

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Die mit Live Oaks gesäumten Wohnstraßen sind ruhig und so idyllisch, kein einziges modernes Gebäude weit und breit, es wirkt ein bißchen wie eine Filmkulisse.

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Der Eindruck verstärkt sich noch, wenn man die Hauptstraße erreicht.

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Holzvillen,

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darin Cafés, Antiquitätengeschäfte, Galerien und Museen

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Jeder Quadratzentimeter hier ist Geschichte. Neben St. Augustine, als ältester Küstenstadt der USA, gilt Micanopy als die älteste Stadt im Inland Floridas. All das Land hier herum gehörte einst Micanopy persönlich, der abgesehen von seinem Job als Häuptling, ein ungeheuer wohlhabender Rinderfarmer war. Besonders verhaßt war er der weißen Konkurrenz, da er bekanntermaßen entflohene Sklaven im Wald versteckte und bei sich beschäftigte. Die Ursprünge der Black Seminoles, die heute noch vereinzelt an der Westküste von Andros leben.

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Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die ersten europäischen Siedler, züchteten Rinder und pflanzten Orangen. Daß die Stadt einmal reich gewesen sein muß, sieht man an den wenigen, aber dafür sehr prächtigen Villen.

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Mit dem Zusammenbruch des Orangenanbaus in Florida versank die Stadt in Vergessenheit und wurde zu einem der Orte, an den sich pensionierte Professoren der Universität von Gainesville zurückzogen. Vielleicht auch mit ein bißchen ursächlich dafür, daß die Stadt so gut erhalten ist.

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Wir sitzen eine ganze Weile am Straßenrand auf einer Bank und beobachten mal so das Geschehen. Viel los ist nicht, die Stadt wirkt verschlafen, aber genau so gefällt es uns ja.

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Wir wissen noch nicht, daß wir Glück gehabt haben noch rechtzeitig hergekommen zu sein, ein gemütlicher Aufenthalt an der Hauptstraße wird für längere Zeit nicht mehr möglich sein. Aktuell wird einer der bekanntesten Romane Floridas hier verfilmt.

https://en.wikipedia.org/wiki/A_Land_Remembered

"A Land Remembered" gehört in einer Schülerausgabe bis heute zum Literaturkanon an den weiterführenden Schulen und ist ungeheuer populär. Wenn man so will, ist es sowas wie die „Buddenbrooks“ Floridas.

Das Buch erzählt die Geschichte einer Rinderfarmerfamilie aus Big Cypress, wie sie aber auch genau hier hätte passiert sein können. Der Kampf gegen die Natur und um ein bißchen Wohlstand über drei Generationen hinweg. Alles, was sich über Micanopy, also die Person, erzählen läßt, wird in dem Plot auch irgendwie verarbeitet, entlaufene Sklaven, Freundschaften zu Seminolen und ein einsetzendes Bewußtsein für Naturschutz. Daß sie sich ausgerechnet diesen Ort als Drehort ausgesucht haben, paßt also ganz genau.

Die Verfilmung ruft aktuell die gesamte Einwohnerschaft Micanopys auf den Plan, jeder nimmt regen Anteil, die Leute leben bereitwillig damit, daß die Hauptstraße über Monate hinweg mittels einer dicken Sandschicht in ihren ursprünglichen Zustand von vor 100 Jahren zurückversetzt wird.
Es ist davon auszugehen, daß Micanopy nach der Ausstrahlung schon einigen Besucheransturm erleben wird. Daß die Serie ein Flop wird, ist kaum zu erwarten, die Vorschußlorbeeren sind erwartungsgemäß riesig, man vergleicht jetzt schon, wo noch nicht einmal zuende gedreht ist, mit Yellowstone.

https://www.youtube.com/watch?v=lc4xVr-i7Hw

In dem Youtube-Bericht wird gesagt, daß sie die Szenen außerhalb der Stadt in der Paynes Prairie gedreht haben, also genau da, wo wir jetzt hin wollen.

Wenn man aus Micanopy in östlicher Richtung herausfährt, liegt der Haupteingang zum Park genau auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Hier kann man noch ganz normal mit Bargeld bezahlen und bekommt einen Papierschnipsel zum Anhängen an den Rückspiegel, ganz oldschool.

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Ich mag diesen Teil des Parks besonders gern, wegen der vielen kleinen Wanderwege, die am Rand des Sumpfgebiets durch den Wald führen. Einige bin ich schon gegangen, andere muß ich noch, aber nicht heute.

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Denn als wir am Aussichtsturm ankommen, zeigt sich schon, was man von der Straße aus schon vermuten konnte: Kein Wasser, kein Sumpf, bis zum Horizont.

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Da die Herden der Pferde und Bisons somit viel mehr trockene Fläche als sonst zur Verfügung haben, sind sie weiter draußen, als wir mit dem Auge sehen können. Daher bin ich hoch erfreut zu sehen, daß ich hinter den Büschen unterhalb des Aussichtsturms etwas bewegt. Auf vier Beinen, wie es ausschaut, aber genau zuordnen kann ich es nicht.

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Der vermeintliche exotische Vierbeiner entpuppt sich dann als botanisch interessierte Besucherin, die knapp über der Grasnarbe offenbar Makroaufnahmen von der Vegetation macht. :lol:

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Spannender wird es hier heute nicht mehr, also brechen wir auf und versuchen unser Glück auf der anderen Seite des Sumpfs am Alachua Trail.

Das Licht ist jetzt genau richtig. Wir hoffen, am Alachua Trail wenigstens ein paar Alligatoren zu sehen zu bekommen.
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mr.minolta
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von mr.minolta »

Ein paar?

Wir können ja nicht wissen, was uns gleich erwarten wird. Die Prairie gehört zwar zu den Parks mit "Alligatorgarantie", aber wie es sich nun im Zusammenhang mit der Dürre konkret darstellen wird, ist ungewiß. Zunächst sind wir erschrocken über den extremen Wassermangel im Bereich der vorderen Sinkholes, als wir uns in Richtung des Pavillons bewegen. Das Wasser reicht hier unter normalen Umständen bis an das Plateau, auf dem die Bänke stehen. Nach starken Regenfällen kann es hier zu Überschwemmungen kommen, dann wird der Trail gesperrt. Links davon sieht man einen Teil des ausgetrockneten Kraters, der noch deutlich tiefer reicht und ganz unten nur noch eine flache Pfütze birgt.


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Aber genau diese Trockenheit ist es, die die Tiere jetzt in fotografisch günstige Nähe rückt, und das gleich massenhaft. Das verbliebene Wasser ist viel zu wenig, um den Alligatoren den nötigen Raum zur Jagd und Revierbildung zu bieten. So verlassen sie es, um sich besser verteilen zu können. Zu Dutzenden liegen sie an den Ufern, auch dort teils übereinander und wenn das Ganze ökologisch betrachtet auch eine kleine Katastrophe ist, so freuen wir uns zusammen mit einigen anderen begeisterten Wanderern und Fotografen natürlich über die Gelegenheit, die Tiere so nah und zahlreich beobachten zu können.


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Mitten im Getümmel werden wir nun auch zum zweiten Mal Zeugen einer Alligatorpaarung. Die ist genau so selten zu sehen, wie ihr Ergebnis, nämlich die Szenerie einer über die geschlüpften Jungtiere wachenden Alligatormutter, wie wir sie gerade in den Everglades sehen konnten. Die beiden treiben es hier eine ganze Weile und eher unauffällig am Rande des Geschehens.


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Und noch etwas ist in bezug auf Alligatoren selten zu sehen und hier und heute fast ein Standard: Alligatoren mit dauerhaft geöffneten Mäulern! Außerhalb des Wassers erwärmen sie sich in der herrschenden Hitze so sehr, daß sie damit ihre Körpertemperatur regulieren müssen, ähnlich wie hechelnde Hunde. Normalerweise würden sie dafür in's Wasser gehen, aber das ist aus den genannten Gründen eben nicht möglich oder gewollt.


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Am gegenüberliegenden Ufer hat es sich ein Fischadler mit seinem Fang gemütlich gemacht. Auch bei einem weiteren Besuch des Parks finden wir ihn später and der gleichen Stelle wieder.


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Es scheint, daß es neben der Republik der Seychellen auf der Welt kein zweites Land gibt, das für sich selbst derart ausdrücklich mit besonderem Umweltschutz wirbt und in der Realität so unfaßbar dreist das absolute Gegenteil davon praktiziert.
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mr.minolta
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von mr.minolta »

Am zweiten Sinkhole kommt es dann noch dicker. Gleich 40 Exemplare haben sich am vorderen Ufer versammelt. Wahnsinn! Da hier noch deutlich mehr Wasser vorhanden ist als am letzten Ort, liegen sie dicht gedrängt darin und nur wenige öffnen ihr Maul. Die Praxis bestätigt die zoologische Theorie also voll und ganz.


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Oder doch nicht ganz? Eins der Tiere reißt sein Maul sogar extrem weit auf, aber nein, es gähnt nur... Bei maximalem Öffnungswinkel drücke ich auf den Auslöser und es paßt! Eins meiner Lieblingsfotos von dieser Reise.


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Die ausschließlich schneckenfressenden Limpkins haben es jetzt besonders schwer. Kaum noch Wasser bedeutet auch kaum noch Schnecken...


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Wir haben bereits unsere Sachen gepackt, als es ganz unerwartet nochmal spannend wird. Es gibt Aufruhr unter den letzten Besuchern, denn ein Reh verläßt wie unbeteiligt und klammheimlich ganz plötzlich das Gebüsch, um am Wasser zu trinken und zu grasen. Der nächste kapitale Alligator ist etwa 20 Meter entfernt und so traurig es ja auch wäre, alle warten nun darauf, daß es hier gleich ein heftiges Drama zu sehen geben wird. Um es vorwegzunehmen, es passiert rein gar nichts. Der Alligator schläft ein und das Reh gibt sich in Seelenruhe seinen Bedürfnissen hin. Die Leute packen nach 10-15 Minuten ihre Kameras wieder ein und wir alle verlassen nach und nach den Park.

Ein toller Tag voller Erlebnisse für uns! Jetzt freuen wir uns auf gemütliches Grillen im Motel!


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Pico
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Pico »

Wow, da wart ihr ja mittendrin im WildLife!

Micanopy sieht ja wirklich wie ein Museumsdorf aus, echt urig.
Gemäß eurer Schilderung bleibt es ja nur zu hoffen dass der Charme noch etwas erhalten bleibt.
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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Pico hat geschrieben: 19 Aug 2026 10:12 Wow, da wart ihr ja mittendrin im WildLife!

Micanopy sieht ja wirklich wie ein Museumsdorf aus, echt urig.
Gemäß eurer Schilderung bleibt es ja nur zu hoffen dass der Charme noch etwas erhalten bleibt.
Ja, da hatten wir wirklich mal ein Naturerlebnis, alles andere ist mehr oder weniger der Dürre zum Opfer gefallen.
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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

Wir fahren noch drei weitere Male in die Paynes Prairie und finden jedesmal die gleiche Situation vor. Die Dürre hält an und verschlimmert sich. Wer die Rauchsäule auf dem Foto vom Aussichtsturm schon entdeckt hat, auch hinter Gainesville brennt der Wald, und das Feuer im Osceola Forest gibt sich auch nicht so schnell geschlagen und flackert immer wieder auf, so daß sich weitere Nachmittage anschließen, an denen wir zumindest stundenweise im Zimmer eingesperrt sind.

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Sobald wie möglich starten wir weitere Ausflüge in die umliegenden Wälder, aber nach dem Anblick, den der Suwannee uns vor ein paar Tagen in White Springs geboten hat, erwarten wir von den Quellen am Fluß dieses Jahr keine besonderen Schwimm- und Schnorchelerlebnisse mehr.

Das bestätigt sich dann auch ziemlich schnell. In Peacock Springs, wo insbesondere ich sehr gern schnorchele, ist man häufig allein, denn die Quelle liegt tief im Wald und hat keinerlei Facilities, was verwöhntere Badegäste meist schon direkt abschreckt.

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Der Zustand des Wassers schreckt dieses Jahr aber auch mich ab. Der deutlich gesunkene Wasserspiegel ist mit Algen bedeckt, und da Peacock nur eine Second Magnitude Quelle ist, die nicht sichtbar sprudelt, sieht das Wasser aus wie stagnierend. Es verströmt aus der Nähe auch einen leicht modrigen Geruch und die Verbindung zum Fluß ist komplett unterbrochen.

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Die Felsformationen, die die drei aneinandergereihten Quelltöpfe voneinander trennen, kann man in anderen Jahren mühelos überschwimmen, dieses Jahr ragen sie als Landbrücke aus dem Wasser.

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Damit bietet sich die seltene Gelegenheit, einmal auf die andere Seite der Quelle zu gelangen, was ich ausgiebig nutze, denn hier war ich noch nie. So habe ich Peacock noch nie gesehen, und damit meine ich nicht nur die Blickrichtung vom anderen Ufer aus.

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Freier Blick auf die große Zypresse, die mitten im oberen Quelltopf auf einer grünen Wiese steht. An der dunkleren Färbung des Stamms erkennt man die Wassermarken. Vor ein paar Jahren erst stand es so hoch, daß ich zwischen den Zypressenknien umherschwimmen konnte, umgeben von hunderten von Fischen. Heute kaum vorstellbar.

Wir sitzen eine Weile am Ufer, weil die Stille im Wald einfach trotz allem schön ist. Wir sind gern hier, auch wenn man mal nicht ins Wasser kann.

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Solange wir uns ruhig verhalten, kommen früher oder später auch die Schildkröten heraus und leisten uns Gesellschaft.

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Immer wieder tauchen Menschen auf, meist Eltern mit Kindern, die gehofft hatten, hier eine beschwimmbare Quelle vorzufinden, und die dann enttäuscht wieder abrücken. Wir rätseln, ob überhaupt noch eine Quelle beschwimmbar ist.

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Am Suwannee liegen hunderte von Quellen, die meisten sind sehr klein, naturbelassen und nur über abgelegene dirt roads zu erreichen, aber auch hier sieht es nicht anders aus. Die wenigen Locals stehen im Wasser herum oder liegen am Ufer, die Schwimmreifen unbenutzt im Sand. Das Wasser in der Quelle ist hier zwar klar, aber es ist viel zu flach zum Schwimmen, und in den tanninbraunen Fluß geht hier niemand.

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Aber wie so oft hat das auch seine positive Seite, denn hätten wir den Rest des Tages an einer Quelle verbringen können, wären wir sicher nicht mehr weitergefahren und hätten ein sehr nettes Rendezvous mit dem Suwannee River verpaßt.
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Suse
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Re: Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Beitrag von Suse »

In Florida, wo die Quellen in manchen Gegenden ja die Freibäder ersetzen, ähneln sie auch mehr solchen. Eine liegt auf unserer Strecke, und die Ursprünge der direkt am Suwannee gelegenen und wie ein Pool ummauerten Quelle sind ungewöhnlich und interessant.

Im späten 19. Jahrhundert, als Strafgefangene noch als Chain-Gangs Straßenarbeiten in den entlegenen Gegenden Nordfloridas verrichteten, war es oft nicht möglich, diese täglich von den eigentliche Haftanstalten hin- und zurückzutransportieren, so daß im Wald Camps errichtet wurden.

Convict Spring war ein solcher Ort, wo die Gefangenen abends lagerten, mit der Quelle Süßwasser zur Verfügung hatten, ihre Wäsche wuschen und kochten, und sich den Platz daher so annehmlich wie möglich herrichteten.

Wir erwarten nicht unbedingt, daß die Befestigung der Quelle nun irgendwie für bessere Schwimmbedingungen sorgt, aber wir waren noch nie dort und wollen mal schauen. Zu unserer Überraschung ist Convict Spring aber kein einsamer Tümpel im Wald, an dem sich außer uns nur Mücken herumtreiben, die Quelle liegt vielmehr mitten auf dem Gelände eines riesigen Campingplatzes, der von der Landstraße bis hinunter an den Fluß reicht.

https://suwanneeriverrendezvous.com/interactive-map/

Es gibt zwar keinen Schlagbaum, aber das Ganze sieht sehr nach Privatstraße aus, so daß ich an der Rezeption lieber aussteige und frage, ob wir auch als Nicht-Gäste durchfahren dürfen.

Die Rezeption befindet sich in einem langgezogenen Blockhaus, das zugleich als Restaurant und Souvenirshop dient. An der Wand zahlreiche nützliche Informationen, auch eine Tafel, auf der die aktuell noch beschwimmbaren Quellen aufgelistet sind. Es sind nur sehr wenige, abgelegene, aber eigentlich war uns das inzwischen schon klar, daß dieses Jahr anders ist, als alle bisherigen Florida-Aufenthalte.

Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und lassen uns ohne weiteres passieren, wir sollen uns in Ruhe umschauen und uns Zeit lassen. Falls das Geschäftstüchtigkeit ist, geht diese bei uns voll auf, denn wir sind begeistert von dem, was wir unten am Fluß sehen.

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Wenn man die Trailerplätze einmal hinter sich gelassen hat, schließen sich direkt am Flußufer kleinere und größere Häuser an, darunter auch solche, die für zwei Personen geeignet wären.

Und mittendrin Convict Spring selbst

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Es ist natürlich so, wie wir es erwartet haben. Die Quelle sieht klein und eingeschrumpelt aus, weniger Algen zwar als in Peacock aber auch hier ist das Wasser stagnierend und dunkel. Der Spring Run zum Suwannee ist vollständig unterbrochen.

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Merkwürdig sehen im Vergleich dazu die an den Bäumen angebrachten Erinnerungstafeln an Hochwasserjahre aus.

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Der Suwannee selbst hat hier an anderes Profil, er ist viel breiter als in White Springs und führt daher viel mehr Wasser, aber auch hier kann man sehen, wie tief die Böschung trocken liegt. Schwimmen würde ich hier eher nicht, vermutlich nicht einmal am Ufer dösen, obwohl der sehr feine Sand sehr einladend ist. Der Suwannee ist hier braun wie Schokolade, und was sich im Flußwasser bewegt, hat mit Sicherheit Zähne...

https://www.youtube.com/watch?v=viQ0cFp ... rt_radio=1

Aber oben auf der Böschung steht eine Hollywoodschaukel, von der man einen tollen Blick hat. Ehrlich gesagt, sehen wir uns hier schon sitzen und in den Sonnenuntergang schauen. Wir verlassen das Gelände mit einem Haufen Infomaterial von der Rezeption und sind zufrieden. Wenn der Tag auch anders verlaufen ist als erwartet, haben wir etwas interessantes Neues kennengelernt und vielleicht eine neue Idee für kommende Reisen.

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Wenn du keine Kokosmilch hast, machste einfach normales Wasser.
- Grubi -

https://s12.directupload.net/images/210215/bx7vkcag.jpg
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